Aus der Geschichte unseres Vereins.
Die Gründung
Euer Kaiserliche und Königliche Hoheit! Allergnädigste Frau Kronprinzessin!
Angeregt von dem Gedanken "Thiere schützen heißt Menschen mögen", hat sich in Innsbruck ein Verein unter dem Titel "tirolisch vorarlbergischer Thierschutz Verein" gebildet, dessen Statuten bereits am 22. April (1881) laut Beschluß des K.K. Statthalterei Präsidiu Nr. 1492 genehmigt wurde ....................
Die Absicht des Vereines besteht darin, der hier zu Lande herrschenden Rohheit und Gefühllosigkeit zu steuern und durch Einwirkung auf die noch für Alles edle und gute empfänglichen Herzen der Jugend sie zu edlen Menschen heranzubilden: "Denn edel sei der Mensch, hilfreich und gut", denn das allein unterscheidet uns von allen Wesen, die wir kennen.
Geruhen Euer Kaiserliche und Königliche Hoheit, Durchlauchtigste Frau Kronprinzessin, durch höchsten Annahme des Protectorate, die edlen Absichten des Vereines zu unterstützen, um was in aller Unterthänigkeit zu bitten wagt Euer Kaiserliche und Königliche Hoheit in tiefster Ehrfurcht und Ergebenheit
dero gehorsamste Vereinsleitung
Alarich Freiherr von Lichtenthurn
Gräfin Margarite Thun Hohenstein
Aus den Vereinsstatuten des Jahres 1936
Der Vereinszweck ist, die Tiere gegen Misshandlung zu schützen und deren gute Behandlung zu fördern. Als solche Misshandlungen sind zu bezeichnen Quälereien der Tiere aus Bosheit, Unverstand und Eigennutz, insbesondere:
deren nutzlose Tötung und unnötige Marter bei der nützlichen Zwecken dienenden Tötung; übermäßige Anstrengung derselben; Vorenthaltung der für ihre Existenz unbedingt notwendigen Bedürfnisse.
Speziell von dem Vereine zu verfolgende Zwecke sollen sein: Förderung der Intentionen des bereits bestehenden Vogelschutzvereines und des Vogelschutzgesetzes; Förderung der rationellen Haltung, Verwendung und des Transports aller Nutztiere, vorzüglich aber Abschaffung jeder irgendwie zu vermeidenden Quälerei.
Bemerkenswert sind die damaligen Pflichten für die Mitglieder: S 2,- Jahresbeitrag zu bezahlen und „MITGLIEDER FÜR DEN VEREIN ANZUWERBEN“.
Tierschutz und Ethik
Mit der Ethik ist es wie mit der Moral: Es gibt große Unterschiede in der Auffassung. Die Einstellung dazu ist abhängig von der Bildung eines Menschen, von der Erziehung, vom sozialen Umfeld und auch vom Lebensweg des Einzelnen. Selbst wenn das Endziel immer eine Veredelung des Menschen sein soll, so ist der Weg dorthin so unterschiedlich, sodass wir ohne Toleranz nicht auskommen. Vor zweihundert Jahren behaupteten einige Wissenschafter, dass Tiere nichts anderes als lebende Maschinen seien. Heute ist solch ein Unsinn nicht mehr denkbar. Wir haben im Tiroler Tierschutzgesetz die Formulierung, dass Tiere leidensfähige und emotionsfähige Mitgeschöpfe sind. Leidensfähig bedeutet jede Art von körperlichem Schmerz. Dazu gehört auch Hunger und Durst. Das Wort „emotionsfähig“ wurde vor sieben Jahren zum ersten Mal in Tirol in einem Gesetz verwendet. Damit wird der Gefühlswelt des Tieres Rechnung getragen. Freude, Trauer, Eifersucht, Futterneid, Treue, Einsamkeitsverzweiflung – all diese den Menschen bekannten Gefühle gibt es auch bei Tieren. Diesen Mitgeschöpfen Respekt zu zollen ist eine Forderung der Ethik. Worte von Mahatma Gandhi treffen die Situation genau: „Die Kultur eines Volkes erkennt man an seinem Umgang mit den Tieren.“ Diese Kultur wird nicht nur unter den Völkern verschieden aufgefasst, sie spaltet Mitmenschen aller Länder. Auch innerhalb einer Familie können die Ansichten zum Umgang mit Tieren gewaltig klaffen. Für den einen ist jeder Jäger und Nicht-Vegetarier ein Mörder, ein anderer empfindet sich schon als Tierfreund, wenn er keinen Hund prügelt. Der eine rettet den Regenwurm, der andere möchte alle herrenlosen Tiere einschläfern. Wiederum eine Hausfrau meint, für alle Zeit einen Tierschutzorden zu verdienen, nur weil sie Eier aus Bodenhaltung kauft. Spätestens bei der Diskussion um die Massentierhaltung sollte aber die Toleranz beim Tierschutz enden. Es ist eine grenzenlose Missachtung unserer Verpflichtung gegenüber der Schöpfung, ein Lebewesen in eine Situation zu bringen, in der es keine Bewegungsmöglichkeit mehr hat und nur noch abgestumpft dahindösen kann. Das gleiche gilt für die Hühner in der Batterie. Diese Tiere haben von der Natur zwei Flügel bekommen. Sie können vom Boden sogar abheben und sind normalerweise den ganzen Tag mit Picken beschäftigt. Natürlich kann man diesen Vorwurf auch jenen Tierbesitzern machen, die in einem winzigen Käfig einen Wellensittich sitzen haben. Auch er hat Flügel und wer ihn frei liegen lässt, sieht seine Freude an dieser luftigen Bewegung.
Ethik könnte man vielleicht mit einer schöngeistigen Moral vergleichen. Kein Hass, keine Rache, Nächstenliebe, Achtung vor der Schöpfung, Freude an Kunst und Kultur und Interesse an Wissen und Bildung. Viel davon erfüllt die Religion, aber wo ist das Tier geblieben? Während es im Buddhismus seinen Stellenwert erhalten konnte, ist es im Christentum ziemlich verloren gegangen. Durch die missverstandene Aussage im Alten Testament: „ Macht Euch die Erde untertan“. Damit war mit Sicherheit nicht gemeint, dass man sie vergewaltigen solle, sondern dass man sie verantwortungsvoll hegen und pflegen soll.
In der Bibel gibt es eindeutige Stellen, die den Tieren ihren Wert zusprechen. Zum Beispiel im Alten Testament die Geschichte von Bilead und dem Esel. Fazit ist, dass der Esel klüger war, als der Mensch. An einer Stelle wird auch gesagt, dass die Tiere so gut wie der Mensch seien. (Dass sie ehrlicher sind, kann jeder Tierfreund aus eigener Erfahrung bestätigen). Im Neune Testament finden wir bei Markus 1/13 die Beschreibung, als Jesus vierzig Tag in der Wüste war. Da heißt es, dass die Tiere bei ihm waren und ihm die Engel dienten. Die meisten Tiergeschichten aus der Zeit nach Jesu Geburt finden wir allerdings in den Apokryphen Schriften, in denen sehr viel von Tierliebe die Rede ist. Schade, dass sie so unbekannt sind.
Ein ungeliebtes Thema ist beim Tierschutz die Gerechtigkeit. Während der Verzehr von Fleisch eines Fohlen oder eines Hundes für Tierfreunde unvorstellbar ist, kann das Schweinsschnitzel ruhig auf den Tisch kommen. Sollte das Gewissen nicht verlangen, zu erforschen, wie das Tierleben durfte und wie es gestorben ist? Das Tier, das am stressfreisten getötet wurde, ist eigentlich das Wild. Der Hirsch muss nicht auf einen Hänger verladen werden und erlebt keine Todesangst. Ein schönes Leben haben auch jene Fohlen, die den ganzen Sommer auf der Alm verbringen. Ist es gerecht, dass es mehr gilt als ein Kälbchen? Warum schicken wir unsere Haflingerfohlen zum Schlachten nach Süditalien? Das Fleisch ist genauso gut oder schlecht genießbar wie das von Kalb und Schwein. Aber so etwas zu sagen, schafft unter den Tierfreunden Feinde. Im Tierschutz ist es wegen seiner vielen Emotionen besonders schwer, objektiv zu sein. Auch das ist ein ethisches Problem.
von Inge Welzig








