Zecken lösen bei den meisten Menschen Unbehagen aus und wecken bei vielen Urängste (Spinnenphobie). Die Gründe dafür sind vielfältig: Zecken sind heimtückisch, weil sie klein, lautlos und unbemerkt Lebewesen befallen. Sie sind gefährlich und können Krankheiten übertragen.

Oft treten durch Zecken übertragene Erkrankungen zeitverzögert auf, zeigen ein sehr unspezifisches Symptomenbild, werden deshalb oft nicht immer gleich richtig erkannt und sind oft schwierig zu therapieren bzw. auszuheilen.

Reißerische Berichte in der Boulevardpresse und Werbeeinschaltungen für Impfaktionen oder Zeckenschutzmittel machen sich diese Tatsachen zu Nutze und erzeugen Hysterie und Panik. Übertriebene Angst ist aber ein genauso schlechter Ratgeber wie ignorante Sorglosigkeit.

Besser ist es, sich über die Lebensweise der Zecken zu informieren und für sich und sein Tier die Wahrscheinlichkeit und Gefährlichkeit eines Zeckenbisses und einer möglichen Erkrankung nüchtern zu analysieren. Es ist unmöglich, den Kontakt mit Zecken hundertprozentig zu vermeiden, wenn man sich in der freien Natur bewegt. Die täglichen Rückmeldungen und Erfahrungen in der tierärztlichen Praxis zeigen, dass nicht jeder Hund und jede Katze als Angriffsziel gleich attraktiv ist und es Gebiete mit vielen und solche mit wenigen Zecken gibt. Trockene Gebiete sind für sie weniger attraktiv als feuchtwarme Regionen; Hunde, die sich im Sommer auf Almen und Bergregionen über 1200 Höhenmeter aufhalten, haben weniger Risiko befallen zu werden, als solche, die in den Wäldern und Wiesen entlang von Bächen und Seen ihren Sommer verbringen. Ein ungeschützter Jagdhundeausflug nach Ungarn oder Slowenien birgt ein hohes Risiko, dass ein Hund mit einer babesioseinfizierten Zecke in Kontakt kommt, akut an der Hundemalaria erkrankt und im schlimmsten Falle daran verstirbt.

Es macht also durchaus Sinn, sich und sein Tier vor Zeckenbissen zu schützen und das Einbringen in die Wohn- und Schlafräume möglichst zu verhindern. Es ist vor allem eine Frage des Tierschutzes, dass ich als Tierbesitzer mit wirksamen Methoden meine Tiere vor zeckenübertragenen Krankheiten schütze.

 

Gebiete, an denen es erfahrungsgemäß viele Zecken gibt, zu meiden und das eigene Haustier täglich gründlich abzusuchen und die Zecken, wenn notwendig, mit einem geeigneten Gerät zu entfernen, ist sicherlich der schonendste Schutz. Beim Entfernen sollte man ein Gerät verwenden, das die Zecke möglichst nahe an den Mundwerkzeugen erfasst. Bei den früher gebräuchlichen Zeckenzangen und beim Überträufeln mit Lackentfernern oder ähnlichen Substanzen setzt man die Zecke derart unter Stress, dass im Todeskampf alle giftigen Substanzen und Krankheitserreger in den Wirt „erbrochen“ werden. Sehr gut lassen sich die kleinen Biester mit den sogenannten Zeckenschlingen entfernen. Falls doch einmal die Mundwerkzeuge in der Haut stecken bleiben, sollte man die Stelle desinfizieren und in Ruhe lassen; körpereigene Entzündungsmechanismen entsorgen den Fremdkörper von selbst.

Wer sich aber im Bewegungsradius nicht einschränken will oder kann und auf Grund der Größe oder des Felltyps seines Hundes nicht die Zeit oder die Geduld für diese Maßnahmen hat, muss sich über andere wirksame Abwehrmaßnahmen informieren und dann die Entscheidung treffen: „Chemie“ oder „Natur“.  Man sollte sich bei dieser Entscheidung nicht durch irrationale Ängste und unsachliche Übertreibungen von Einzelereignissen leiten lassen.

Tatsache ist, dass alle chemischen Zeckenschutzmittel, die am Markt als Halsbänder, Spot-on, Sprays oder neuerdings als Tabletten angeboten werden, Wirkstoffkombinationen enthalten, die sehr effektiv in das Nervensystem oder den Stoffwechsel der Zecken eingreifen und zum schnellen Abtöten der Parasiten führen. Zusätzlich haben sie auch eine abstoßende (repellierende) Wirkung auf Zecken.

Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten zeigen sich vor allem in lokalen Hautreaktionen, Apathie, Inappetenz, Magen-Darm-Beschwerden und neurologischen Symptomen wie Zittern, motorische Unsicherheit und Schwäche. Solche Symptome treten vor allem durch Fehler in der Dosierung oder bei der Anwendung auf (Hauterkrankungen, geschwächte oder kranke Tiere, zeitgleiche Kombination mit Impfungen oder Entwurmungen, Anwendung von Hundepräparaten auf Katzen, Abschlecken…)

Obwohl es sich um meist kurzzeitige Reaktionen handelt, lösen diese doch bei vielen Tierbesitzern Unbehagen und Ängste aus, weil vor allem die Langzeitfolgen vieler Mittel noch großteils unbekannt sind.

In der Tierarztpraxis wird aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit diversen Zeckenmittel und mit Hinweis auf Schockberichte im Internet häufig der Wunsch nach harmlosen Alternativen geäußert. Euphorische Berichte über nebenwirkungsfreie Zeckenschutzmittel sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen in verschiedenen Internetforen, Facebookgruppen und Werbeaussendungen, die vollmundig 100% biologischen Schutz gegen Zecken versprechen. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Präparaten, die dieser Nachfrage entgegenkommen und rezeptfrei über verschiedene Kanäle vertrieben werden.

Die meisten dieser Präparate enthalten ätherische Öle (Citronella bis Zedernöl) oder Kräutermischungen, die entweder lokal auf die Haut aufgetragen werden oder in das Futter gemischt werden und eine repellierende (abstoßende) Wirkung auf Zecken und andere Parasiten haben. Die Wirkung erklärt man sich durch die Veränderung der Körperausdünstung, die das Tier für die Zecke nicht mehr so anziehend macht.

 

Wie Paracelsus schon gezeigt hat, macht aber auch bei diesen Produkten die Dosis das Gift. Ätherische Öle können Allergien auslösen:  Das vielverwendete Teebaumöl ist für Katzen giftig. Knoblauch, das auch gerne als Antiparasitikum verwendet wird, ist grundsätzlich als Zwiebelgewächs für den Hund giftig und führt nach längerer Aufnahme zur Zerstörung der roten Blutkörperchen. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass Kräutermischungen, die oft kritiklos und gutgemeint als Parasitenschutz oder Nahrungsergänzung in Futterrationen enthalten sind, immer auch eine arzneiliche Wirkung haben und auch potentiell toxisch wirken können.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Zeckenmittel bei der Katze sind lokale Reaktionen am Hals oder an der Schulter, wo das Mittel als Halsband oder Spot on aufgetragen worden ist. Diese Unverträglichkeiten gibt es leider auch bei den sogenannten biologischen Mitteln sehr häufig.

Da die Katze ein ausgeprägtes Putzverhalten hat, schleckt sie jede aufgetragene Substanz wieder ab und es ist deshalb notwendig, dass man Präparate verwendet, die die Katze auch oral gut verträgt, wie zum Beispiel Kokosöl, das regelmäßig auf das Fell bzw. die Haut der Katze aufgetragen wird und durch die enthaltene Laurinsäure eine gewisse abstoßende Wirkung gegen Zecken hat.

Wichtig ist deshalb auch bei solchen Mitteln eine eingehende Beratung über die genaue Anwendung, Dosierung und die Wirkdauer der einzelnen Präparate, um falsche Erwartungen und Enttäuschungen zu verhindern. Ganzheitlich orientierte Tierarztpraxen haben auch „alternative, biologische“ Präparate im Angebot und können über deren Möglichkeiten Auskunft geben.

Immer wieder wird auch nach homöopathischen Mittel gegen Zecken gefragt. Unter den homöopathischen Arzneien gibt es einige, von denen bekannt ist, dass sie das Angehen von Ektoparasiten ganz allgemein erschweren. Eigene Beobachtungen zeigen aber, dass diese Mittel  bei einem hohen Populationsdruck leider nur eine unzureichende Wirksamkeit haben und nur ergänzend zu anderen Maßnahmen empfohlen werden können. Sulfur D6, mehrmals täglich gegeben, verändert oft die Ausdünstung von Tieren und macht diese weniger attraktiv für Zecken, auch bei einem gut gewählten Konstitutionsmittel kann man diesen Effekt manchmal beobachten. Ledum D6, mehrmals täglich gegeben, gilt als effektives Mittel gegen die Folgen eines Zeckenstichs und wird dann empfohlen, wenn Menschen oder Tiere heftig auf Zeckenstiche reagieren.

Bernsteinketten und Halsanhänger mit elektromagnetischen Strahlungen oder religiösen Motiven erfreuen sich auch großer Beliebtheit und helfen offensichtlich einigen Tieren gegen die Zeckenplage. Dass die Wirksamkeit eher auf empirischen Einzelerfahrungen als auf wissenschaftlichen Beweisen beruht, erleben wir in der Medizin öfter und sollte mit Toleranz und Wohlwollen gesehen werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass jeder Tierbesitzer Vorsorge treffen sollte, dass sein Tier nicht durch Zecken geschädigt wird, die damit verbundenen Krankheiten nicht als Urlaubssouvenir mitgebracht werden und sein Tier möglichst wenige Zecken in die Wohn- und Schlafräume einbringen kann.

Nach den derzeitigen Erfahrungen gelingt dies am besten mit den bekannten Chemischen Präparaten, die als Spot-on, Halsbändern oder Tabletten angewandt werden. Es gibt bei diesen Mitteln Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten und Therapieversager bei einigen Tieren. Deshalb haben auch andere Mittel, die auf natürlicher Basis wirken, ihre Berechtigung und sollten dann eingesetzt werden, wenn sie ausreichenden Schutz bieten. Mit Ausnahme der mechanischen Entfernung können aber auch die „biologischen“ Mittel chemische und pharmakologische Wirkungen auf der Haut oder im Körper des Tieres auslösen. Fundierte sachliche Information und Beratung über Möglichkeiten, Grenzen und Risiken sollten deshalb auch bei diesen Mitteln eingeholt werden.

Dr. Peter Theurl, Tierarzt – Natters

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