Kaum ein anderer Werkstoff hat unser Leben so beeinflusst – sowohl zum positiven als auch zum negativen.
Es ist billig herzustellen, leicht zu formen und deswegen so flexibel einsetzbar. Doch die Vorteile von Plastik werden heute zum großen Problem und bedrohen nicht nur die Meere, auch ist es klima- und gesundheitsschädigend.

Welches Ausmaß bedeutet die Plastikproduktion?
Plastik wird aus Erdöl gewonnen. Obwohl es ein natürlich vorkommender Rohstoff ist, steht uns Erdöl nur begrenzt zur Verfügung. In die Produktion von Plastik fließen Unmengen an Energie und Erdöl, die im Endeffekt nur eine kurze Nutzungsdauer haben. In den 50er Jahren wurden weltweit 1 Mio. Tonnen Plastik hergestellt – aktuell stellen wir jedes Jahr ca. 370 Mio. Tonnen her.

Irrglaube Recycling
Für die Wiederverwertung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einerseits kann Plastik neu eingeschmolzen und geformt werden. Doch durch das Erhitzen verliert das Material an Qualität. Andererseits die Aufspaltung von Kunststoff in die einzelnen Molekülketten und Umwandlung in Gase, Wachse und Öle. Voraussetzung dafür ist jedoch die Sortenreinheit der Abfälle. Jedoch wissen wenige, welche Plastikanteile vorhanden sind. Weiters bestehen Plastikgegenstände oft aus unterschiedlichen Kunststoffformen. Eine saubere Trennung ist fast unmöglich.
Hinzu kommt ein völlig anderes Problem: Plastikprodukte sind billig herzustellen und es ist meist einfacher, diese neu herzustellen als sie wiederzuverwerten. Somit wird nur ein kleiner Teil recycelt.
In den letzten 65 Jahren wurden insgesamt mehr als 8 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert. Nur 9 Prozent davon wurden jemals recycelt, 12 Prozent verbrannt, wobei hier schädliches Kohlendioxid freigesetzt wird und unser Klima schädigt und der Rest hat seinen Weg zur Deponie, oder schlimmer noch ins Meer gefunden.

Plastik als Umweltproblem

Jedes Jahr gelangen ca. 32 Mio. Tonnen Plastikmüll in unsere Umwelt und davon ca. 8 Mio. Tonnen ins Meer. Auf den Weltmeeren treiben mittlerweile 5 Müllstrudel. Der bekannteste ist der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik, der inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht hat. Einen 6. Strudel vermutet man in der Barentssee nördlich von Norwegen und Russland. Das gefährliche daran ist, dass Plastik sich bekannterweise nicht schnell zersetzt. Es zerfällt in immer kleinere Bruchstücke. Kunststoffteilchen ziehen Giftstoffe an und geben diese nach und nach wieder an die Umgebung ab. Erst nach 350-450 Jahren ist Plastik vollständig zersetzt. Beispielsweise braucht eine PET-Flasche 450 Jahre bis sie vollständig zerfallen ist. Vielen Schätzungen zu Folge existiert der größte Teil des jemals produzierten Kunststoffs noch immer.
Hunderttausende Meerestiere – darunter Wale, Robben und Schildkröten – und bis zu einer Million Seevögel sterben jährlich qualvoll an unserem Müll. Entweder sie verhungern mit vollem Magen, da Plastik nicht verdaulich ist, Delfine und Fische verfangen sich in alten Netzen oder Folien und ersticken jämmerlich, oder sie sterben an inneren Verletzungen. Viele Meerestiere verwechseln Plastik mit ihrer natürlichen Nahrung. Z.B. halten Schildkröten Plastiktüten für Quallen und Seevögel Plastikteile für Sepiaschalen. Seevögel verschlingen diese Plastikteile und verfüttern sie ihren Jungen. Hält der aktuelle Trend der Vermüllung ungebremst an, werden wir bis zum Jahr 2050 mehr Plastik im Meer als Fische haben.
Doch auch wir sind betroffen: Durch die Nahrungskette landen winzige Plastikteilchen und deren toxischen Substanzen auf unserem Teller. Mikroplastik wurde bereits in Fischen, Muscheln, Trinkwasser, Milch und Honig gefunden.
Auch die gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe von Kunststoff selbst stellen ein Problem für uns und die Umwelt dar. Einer der bekanntesten davon ist der Weichmacher Bisphenol A (BPA), der unter Verdacht steht Erbgut zu schädigen und zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Verhaltensstörungen zu führen.

Betrifft die Umweltverschmutzung auch uns?
Ja. Auch wenn wir keine Meere in unserer direkten Nähe haben, tragen wir dennoch zur Verschmutzung oder eben zur Bereinigung bei. Bei jedem Waldspaziergang in Tirol findet man Müll. Der liegen gebliebene Müll wird weitergetragen und gelangt früher oder später in Flüsse und dadurch auch in die Weltmeere. Der Müll, der nicht in den Flüssen landet, bleibt in unserer Umwelt und zersetzt sich langsam in immer kleinere Teile. Daraus bildet sich auch bei uns Mikroplastik, welches im Grundwasser landet, das ökologische Gleichgewicht stört oder durch Tiere aufgenommen wird. Mikroplastik in beispielsweise unseren Kosmetikartikeln landet in unserem Abwasser. Diese kleinen Teilchen überwinden Kläranlagen und gelangen dadurch ins Meer.

Welche Fortschritte gibt es?
Mittlerweile gibt es einige Ansätze Plastik abbaubar zu machen. Zwei Biokunststoffe z.B. sind Polymilchsäure oder Lignin. Jedoch ist hier das Recyceln noch sehr mühsam, da die Recycling-Anlagen noch nicht auf die neuen Kunststoffe ausgelegt sind. Zudem stellen Biokunststoffe, die aus Stärke gewonnen werden zwei weitere Probleme dar: der Pestizideinsatz und die benötigten Flächen.
2018 gab es einen großen Erfolg: Die EU hat beschlossen, dass die zehn Wegwerfartikel, die am häufigsten an Europas Stränden gefunden werden und über 70% der Abfälle im Meer ausmachen, ab 2021 verboten werden.
Auch gibt es immer wieder junge Menschen, denen unsere Umwelt am Herzen liegt und die tolle Projekte auf die Beine stellen. So z.B. das 2013 vom Niederländer Boyan Slat gegründete „Ocean Cleanup“-Projekt. Auch in Österreich haben sich 2018 junge WissenschaftlerInnen zusammengetan und eine Forschungsplattform gegründet – „PLENTY“ (kurz für Plastics in the Environemt and Society).

Was können wir aktiv unternehmen?
Es gibt so einiges was wir alle machen können, um die Plastikbelastung zu reduzieren:
– Sagen Sie Nein zu Einwegartikel: z.B. Flaschen, Besteck, Plastiksackerln
– Vermeiden Sie Verpackungen: Kunststofffreie Produkte sind selten, aber entscheiden Sie sich für Lebensmittel mit minimaler Verpackung und loses         Obst/Gemüse
– Vermeiden Sie Mikrokügelchen: In z.B. Peelings, einigen Zahncremen und Duschgel versteckt sich Mikroplastik
– Nutzen Sie keine Wegwerfprodukte wie z.B. Einwegrasierer
– Seien Sie bei Mitnahmeartikeln achtsam, wenn Sie Essen bestellen und mit nach Hause nehmen. Diese Verpackungen bestehen aus Polystyrol und zählen zu den besonders schändlichen Kunststoffen.
– Bevorzugen Sie Glas: Viele Produkte gibt es in Glasbehältern, welche wiederverwendet oder recycelt werden können

Viele weitere Tipps, wie Sie Plastik in den unterschiedlichsten Lebensbereichen vermeiden können, finden Sie im Greenpeace-Ratgeber für weniger Plastik im Alltag „Besser ohne Plastik“. Auch veganblatt.com hat auf der Homepage eine Serie „Plastikfrei“, auf der wir uns Tipps für den Alltag holen können.

Quellen: greenpeace.at; iwd.de; nabu.de; oceancare.org;  science.orf.at; technikatlas.de; umweltdialog.de; veganblatt.com

 

Leinenzwang-Symbolbild

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