Aus  Nord- und Osttirol sind fünf Schlangenarten und sechs Echsenarten bekannt. In diesem Beitrag werden wir uns auf die in Tirol vorkommenden Echsenarten beschränken.

Ziel dieses Artikels ist es vor allem, Interesse für den dringend nötigen Schutz unserer Eidechsen zu wecken. Wie alle einheimischen Reptilien sind auch alle Eidechsen (und ihre Lebensräume) nach dem Tiroler Naturschutzgesetz sehr streng geschützt. Trotzdem nehmen die Bestände vieler Arten auch hierzulande ab. So ist die einst in Osttirol verbreitete (und in Nordtirol von Natur aus fehlende) Östliche Smaragdeidechse Lacerta viridis dort trotz intensiver Nachsuche inzwischen verschollen. Gründe sind einerseits die landwirtschaftliche Intensivierung, andererseits das Zuwachsen und Verbuschen offener Magerstandorte durch Nutzungsaufgabe. Ihre sehr ähnliche Schwesternart, die Westliche Smaragdeidechse Lacerta bilineata, kann man im benachbarten Südtirol an gut strukturierten Waldrändern, Lesesteinmauern und Trockenstandorten, zumindest abseits der massiv gespritzten Apfelplantagen, glücklicherweise noch recht oft beobachten. Sogar die ehemalige Allerweltsart Zauneidechse Lacerta agilis, übrigens das Reptil des Jahres 2020, ist zumindest in der landwirtschaftlichen Normallandschaft, z.B. in den intensiv genutzten Talböden, weitestgehend verschwunden. Der Grund für den Rückgang sind auch hier negative Lebensraumveränderungen, der Mangel an Strukturen wie Hecken, extensiv genutzte Böschungen, Lesesteinhaufen und nicht zuletzt Nahrungsmangel durch die Insektenarmut landwirtschaftlicher Intensivflächen. Umso wichtiger und sinnvoller ist es, wenigstens im eigenen Garten günstige Bedingungen für Reptilien zu erhalten oder auch neu zu schaffen. Insbesondere die Mauereidechse und die Blindschleiche dringen regelmäßig in den Siedlungsraum vor. Aber im Grunde nutzen alle einheimischen Echsen, mit Ausnahme der Kroatischen Gebirgseidechse, zumindest ab und zu Gärten.
Dr. Florian Glaser

 

Eine Besiedlung durch Reptilien setzt aber einige Grundbedingungen an das Gartendomizil voraus:

  • Eidechsen brauchen Versteckplätze und Sonne. Nur die Blindschleiche kommt auch mit schattigeren Plätzen zurecht. Steinhaufen, unverfugte Steinmauern und Totholz- bzw. Reisighaufen mit ausreichender Besonnung sind daher geeignete Echsenquartiere.
  • Keller- und Lichtschächte und ähnliche Strukturen können Fallen für Reptilien und andere Kleintiere bilden. Man sollte sie daher entweder mit feinem Gittergeflecht sichern oder mit Ausstiegsmöglichkeiten versehen.
  • Die eierlegenden Arten (Blindschleiche und Bergeidechse sind lebendgebärend) benötigen gut grabfähige Eiablageplätze, bevorzugt ohne oder mit wenig beschattender Vegetation. Solche Stellen kann man mit Sandhaufen- und flächen einfach herstellen.
  • Leider sind Hauskatzen Reptilienkiller. Wo eine oder mehrere Stubentiger auf die Pirsch gehen, wird jede Reptilienansiedlung im noch so tollen Gartenlebensraum verhindert. Mit dornigen Ästen (Brombeere, Rose) kann man die Überlebenschancen für Reptilien und anderes Getier etwas erhöhen. Ein echter Reptilienfreund verzichtet besser auf eine freilaufende Katze.
  • Auf sämtliche Spritzmittel muss in einem tierfreundlichen Garten auf jeden Fall verzichtet werden.
  • Echsen sind streng geschützt und ihr Fang verboten – d.h. Gartenbesitzer müssen auf eine natürliche und selbstständige Ansiedlung warten. Die künstliche Ansiedlung zur Bereicherung der Gartenfauna ist natur- und tierschutzfachlich abzulehnen.

 

Übrigens sind ihre Eidechsenbeobachtungen für die österreichischen Reptilienforscher durchaus von Interesse. Sie können Funde online auf www.herpetofauna.at melden oder einfach per Mail an florian.glaser@aon.at. Die Beobachtung sollte Datum, einen möglichst exakten Fundort und wenn möglich ein Belegfoto beinhalten.

 


Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis)
Lebendgebärende, beinlose Echse. Unauffällige, teilweise unterirdische Lebensweise. Regenwurm- und Nacktschneckenjäger.

 


Zauneidechse (Lacerta agilis) – Reptil des Jahres 2020
Nur in Nordtirol!
Siehe auch Titelbild.

 


Koratische Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi)
Nur lokal in Felslebensräumen im südlichen Osttirol. Leicht mit der Mauereidechse zu verwechseln.

 


Mauereidechse (Podarcius muralis)
In Nord- und Osttirol leben unterschiedliche Unterarten, klettert sehr gut. Im Innsbrucker Föndelta auch im urbanen Bereich.

 


Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis)
Größte einheimische Art. Männchen grasgrün mit prachtvoller blauer Kehle. Nur in Osttirol vorkommend, in Nordtirol verschollen!

 


Bergeidechse (Zootoca vivipara)
Bis in die alpine Stufe vordringend, lebendgebärend, schwimmt und taucht gut.

 

Bildquelle: Christoph Riegler/ www.herpetofauna.at

Nützliche  Adressen:
Herpetologische Arbeitsgemeinschaft an den Tiroler Landesmuseen:
www.nw-arbeitsgemeinschaft.at/index.php/hag-news.html
Österreichische Herpetologische Gesellschaft ÖGH: www.herpetozoa.at
Melde- und Informationsplattform zu einheimischen Reptilien und
Amphibien: www.herpetofauna.at
Tipps und Möglichkeiten zum Reptilienschutz: www.karch.ch/karch/de/home/reptilien-fordern.html
Infos und downloads zum Reptil des Jahres der Zauneidechse
feldherpetologie.de/lurch-reptil-des-jahres/zauneidechse-reptil-des-
jahres-2020/

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