ÜBER WOHL KEINE ANDERE TIERGRUPPE SIND SO VIELE OFT VÖLLIG UNBEGRÜNDETE ÄNGSTE IM UMLAUF WIE ÜBER SCHLANGEN.

Der letzte Artikel über die Eidechsen Tirols hat zahlreiche LeserInnen angeregt, ihre Beobachtungen zu melden. Vielen Dank an alle für Ihre Fundmeldungen! Thema des zweiten Teils sind die in Nord- und Osttirol vorkommenden Schlangenarten. Vielleicht gelingt es mit diesem Beitrag, diese oft verfemte Tiergruppe ins rechte Licht zu rücken.

Fünf Schlangenarten sind aus unserem Bundesland bekannt. Ringelnatter, Äskulapnatter und Schling- (oder Glattnatter) sind ungiftig, während die beiden Tiroler Vipern, die Kreuzotter und die aktuell verschollene Hornotter mit Giftzähnen auf Beutefang gehen.

Die meisten Bissunfälle passieren durch unsachgemäßes Verhalten wie Fotografieren aus geringer Distanz oder Fang.

Schlangen sind außerdem scheu und flüchten bei menschlicher Annäherung. Ähnlich wie die einheimischen Eidechsen gehören Schlangen zu den STARK GEFÄHRDETEN TIERARTEN UND SIND STRENG GESCHÜTZT. Die Hauptgründe sind Lebensraumverluste und -entwertungen, aber auch der damit verbundene Rückgang von wichtigen Beutetieren wie Eidechsen und Amphibien. Sehr viele Schlangen werden leider im Straßenverkehr oder bei maschinellen Mäharbeiten getötet.
DIE ILLEGALE, DIREKTE VERFOLGUNG AUS SCHLANGENFURCHT BILDET LOKAL NOCH IMMER EIN PROBLEM.

Glücklicherweise sind Zeiten der Prämienzahlungen für „erlegte“ Giftschlangen vorbei. Bis 1912 wurden in Tirol jedes Jahr tausende Schlangen getötet.
Die beiden am meisten verbreiteten Schlangenarten Tirols sind die Schling- oder Glattnatter (Coronella austriaca) und die Ringelnatter (Natrix natrix). Beide dringen zwar gelegentlich bis in den subalpinen Waldgrenzbereich vor, weisen aber einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt in tieferen und mittleren Lagen auf.

 

 


Die SCHLINGNATTER lebt in offenen bis halboffenen, warmtrockenen Lebensräumen wie lichten Wäldern, Waldrändern, extensiv genutzten Wiesen und Weiden, Bahndämmen, Kiesgruben u.ä.. Es handelt sich um eine eher kleine Schlange (< 80 cm) mit unauffälliger Lebensweise. Die Art kann auch regelmäßig im Siedlungsraum in naturnahen Gärten beobachtet werden. Schlingnattern jagen gerne Reptilien, nehmen aber auch Kleinsäuger als Nahrung an. Sie werden oft mit der Kreuzotter verwechselt.
Schlingnattern sind lebendgebärend, im Spätsommer werden meist 5 bis 10 fertig entwickelte Jungtiere geboren. Die Schlingnatter leidet einerseits unter landwirtschaftlicher Intensivierung und Siedlungsdruck, andererseits wachsen viele offene Magerstandorte aufgrund fehlender Mahd und Beweidung zu.

 


Die ÄSKULAPNATTER (Zamenis longissimus) ist mit bisweilen über 2 m Länge eine der größten europäischen Schlangenarten. Die Wärme liebende Art kommt in Osttirol vor. Zudem weist sie in Nordtirol im vorderen Zillertal ein isoliertes Vorkommen auf. Ursprünglicher Lebensraum sind lichte Hang- und Auwälder, doch besiedelt die Art auch regelmäßig das Kulturland und den Siedlungsraum. Sie klettert ausgezeichnet und bewegt sich oft in den Baumkronen. Hauptnahrung sind Kleinsäuger bis Rattengröße, aber auch Vögel. Die Fortpflanzung ähnelt jener der Ringelnatter.

 


Die HORNOTTER ist nach der Eiszeit aus dem Süden nach Mitteleuropa eingewandert. In Österreich liegen die Hauptvorkommen im Südosten. Bemerkenswerterweise wurde die Art aber vor mehreren Jahrzehnten punktuell im südwestlichen Osttirol beobachtet. Eine mehrfache Nachsuche am Fundort blieb allerdings erfolglos und so ist diese attraktive Schlangenart in Tirol mittlerweile möglicherweise verschwunden. Die Art besiedelt trockene, sonnige und steinige Offenlebensräume wie Blockhalden oder Felsfluren und ist vom Aussterben bedroht.

 


Die KREUZOTTER (Vipera berus) ist neben der ausgestorbenen Wiesenotter (Vipera ursinii) und der Hornotter (Vipera ammodytes) eine der drei österreichischen Giftschlangen. Im Unterschied zu den bisher besprochenen Natternarten ist die Pupille senkrecht. Typisches Kennzeichen ist das dunkle Zickzackband am Rücken. Besonders in höheren Lagen werden häufig komplett schwarz gefärbte Tiere beobachtet („Höllenottern“). Die Kreuzotter weist in höheren Lagen Tirols lokal noch größere Bestände auf und besiedelt hier v.a. sonnige Zwergstrauchheiden, Almgebiete, Blockhalden und Latschenfelder. Vorkommen in tieferen Lagen Tirols z.B. in Mooren und lichten Auen sind in Tirol großteils erloschen. Kreuzottern sind wie alle Vipern lebendgebärend und setzen im Spätsommer alle 2 bis 3 Jahre 3 bis 18 Jungschlangen. Kreuzottern jagen v.a. nach Kleinsäugern, aber auch Amphibien und Eidechsen. Junge Grasfrösche und / oder Bergeidechsen sind v.a. als Nahrungsquelle für die Jungschlangen essentiell.

 


Die RINGELNATTER ist ziemlich eng ans Wasser gebunden. Allerdings kann sie auch weitab von Gewässern angetroffen werden. Sie schwimmt und taucht hervorragend und jagt nach Amphibien und deren Larven sowie kleinen Fischen. Insbesondere weibliche Ringelnattern können recht lang werden (> 1,5 m). Ergriffene Ringelnattern wehren sich durch die Entleerung eines sehr streng riechenden Sekrets aus den Analdrüsen und/oder stellen sich mit geöffnetem Maul und heraushängender Zunge sehr glaubwürdig tot. Im Sommer legen die Ringelnatterweibchen meist 15 bis 30 Eier in Haufen mit verrottendem, organischem Material. Das können Totholzansammlungen sein, aber auch Kompost- oder Misthaufen. Im Spätsommer / Frühherbst schlüpfen die Jungschlangen aus den Eiern. In Tirol lebt wahrscheinlich nicht nur eine Ringelnatterart, wie genetische Studien in Tirol und Südbayern zeigen. Da die Arten relativ gut unterscheidbar sind, könnten Leserfotos von Ringelnattern aus Tirol mit bekanntem Fundort unsere Forschungen unterstützen. Der Rückgang von Amphibien und die Zerstörung von Feuchtgebieten machen der Ringelnatter zu schaffen. Wenn sich diese hübsche Schlange vielleicht im eigenen Garten am Garten- oder Schwimmteich einfindet, kann man stolz sein.

Dr. Florian Glaser

Ich freue mich über die Übermittlung von Schlangenbeobachtungen, optimal mit Foto und Datum an: florian.glaser@aon.at.

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